bauschen & biegen

# 17 Lesung & Gespräch mit Helene Bukowski über Traumata und Gewalt

16. November | 19:30 Uhr | Artik Freiburg, Haslacherstr. 43

Zu Gast: Die Autorin Helene Bukowski mit ihrem Roman »Die Kriegerin«(Blumenbar 2022) und Evangelina Böckenförde, ehemalige Sportsoldatin und Fallschirmspringerin.

Autorin Helene Bukowski am 5. September 2022 im Bergmannkiez in Kreuzberg in Berlin. Foto: Stefanie Loos

»Die Kriegerin« ist ein Roman über zwei Frauen, deren oberstes Gebot es ist, sich nicht verletzlich zu machen. Lisbeth und die Kriegerin kennen sich seit der Ausbildung bei der Bundeswehr. Sie haben sich für das Militär entschieden, weil sie einen Körper wollen, der nicht verwundbar ist –  als ließe sich der Welt nur mit einem Herzen begegnen, das zur Faust geballt ist. Helene Bukowski erzählt von den Wunden der Gewalt, ihren Spuren und den Traumata – den erlebten, als auch den vererbten. 

Was passiert, wenn Verletzbarkeit nicht mehr möglich ist, weil es die eigene Unversehrtheit angreift? Gemeinsam mit Helene Bukowski und der ehemaligen Sportsoldatin Evangelina Böckenförde werfen wir einen Blick auf patriarchale Strukturen in der Bundeswehr, die gleichzeitig als Folie für Mechanismen innerhalb unserer Gesellschaft dienen. In Lesung und Gespräch geht es ausgehend vom Roman um Traumata und den Umgang mit Macht und Gewalt.

Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, lebt heute wieder in ihrer Geburtsstadt. Sie studierte am Literaturinstitut Hildesheim und leitet neben dem Schreiben auch Kurse und Workshops für Kreatives Schreiben. 2019 erschien ihr Debütroman »Milchzähne«, für den sie u. a. für den Mara-Cassens-Preis, den Rauriser Literaturpreis und den Kranichsteiner Literaturförderpreis nominiert war.

Evangelina Böckenförde, aufgewachsen in der Nähe von Freiburg, war mehrere Jahre Mitglied der Sportfördergruppe Fallschirmspringen der Bundeswehr und acht Jahre lang Teil der deutschen Nationalmannschaft im Fallschirmspringen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Freiburg, wo sie heute, nach einem Studium der Sozialen Arbeit, als Sozialpädagogin im Jugendamt arbeitet. 

In Kooperation mit dem ArTik e.V. Freiburg.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stadt Freiburg, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie die Sparkasse Freiburg.

bauschen&biegen

Eine Lesereihe ist eine Lesereihe ist bauschen & biegen ist ein Wagnis!

In Lesung und Gespräch fragt die Veranstaltungsreihe bauschen&biegen mit wechselnden thematischen Schwerpunkten nach Solidarität und Gesellschaft, nach Gerechtigkeit und Zukunft, sie fragt die Literatur, wie kann das sein? Und die Praxis: Warum eigentlich nicht?

In jeder Ausgabe bauschen wir ein anderes Thema auf und verbiegen es wie folgt: Autor*innen präsentieren ihre Texte und kommen mit uns und Expert*innen aus der Praxis  ins Gespräch über notwendige Fragen unserer Gesellschaft. Dabei entsteht ein Begegnungsraum zwischen Fiktion und Realität, zwischen Bühne und Publikum, zwischen Idee und Konsequenz.

bauschen&biegen wird gefördert durch:

Vergangene Lesungen

#16: Lesung und Gespräch mit Manja Präkels zu rechter Gewalt

30. März | 19:30 Uhr | Artik Freiburg, Haslacherstr. 43

Zu Gast: Die Autorin Manja Präkels mit ihrem Essayband Welt im Widerhall oder war das eine Plastiktüte? (Verbrecher Verlag 2022) und Ela Imbery, die u.a. den Stadtrundgang Freiburg in der NS-Zeit leitet.

(c) Christoph Voy

„Was geschieht, das können alle sehen“ – Manja Präkels nimmt uns in ihren Essays mit auf eine Reise durch die jüngere (ost-)deutsche Geschichte und verschiedene Lebenswelten in Stadt & Land. Erinnerungen an die letzten Jahre der DDR, Begegnungen mit Rotarmisten und das Aufwachsen zwischen Neonazis nach 1990 mischen sich mit Besuchen brandenburgischer Flüchtlingsprojekte der Gegenwart und Reisebildern aus ehemaligen Sowjetrepubliken.

Gemeinsam mit Manja Präkels und Ela Imbery erkunden wir in Lesung und  Gespräch die strukturellen Hintergründe bei der Entstehung von rechter Gewalt, von Isolation und dem Gefühl des Zurückgelassen-Seins. Ausgehend von den Essays und Erfahrungen aus der politischen (Kultur-)Arbeit fragen wir, wohin wir schauen müssen und wie der Blick auf faschistische Strukturen in der Vergangenheit und Gegenwart neue Perspektiven für die Zukunft schaffen kann.

Manja Präkels wurde 1974 in Zehdenick / Mark geboren, lebt als Autorin, Musikerin und Sängerin der Band »Der singende Tresen« in Berlin und betreibt als Mani Urbani experimentelle Klangforschungen.  Für ihren Debütroman »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß« wurde sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 und dem Anna-Seghers-Preis 2018 ausgezeichnet.

Ela Imbery engagiert sich seit Langem mit verschiedenen Kulturformaten und -projekten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Sie hat den Stadtrundgang Freiburg in der NS-Zeit ins Leben gerufen und in zahlreichen Theater- und Kunstprojekten mitgewirkt, u.a. war sie für die Konzeption des Projekts Verbrannte Bücher am Stadttheater Freiburg verantwortlich.

In Kooperation mit dem Artik Freiburg.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe “Wochen gegen Rassismus”. Sie wird gefördert durch die Stadt Freiburg, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie die Sparkasse Freiburg.

#15: Lesung und Gespräch zu häuslicher Gewalt

Zu Gast: Die Autorin Claudia Schumacher mit ihrem Roman “Liebe ist gewaltig” (dtv Verlag 2022) und Martina Raab – Heck von der Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt (FRIG).

09. Dezember | 19:30 Uhr | Susi-Café Freiburg Vaubanallee 2, 79100 Freiburg

(c) Roman Raacke

Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch die Fassade trügt: Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Geschwister und eine Maus geben Halt. Doch wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut?

Drei Jahrzehnte folgen wir in Claudia Schumachers Roman „Liebe ist gewaltig“ der Protagonistin Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Was bedeutet es für eine Biographie, in jungen Jahren der Gewalt des Familienvaters ausgesetzt zu sein? Wie setzt sich ein Mensch nach solchen Erlebnissen sein Selbstbild wieder zusammen?

Ausgehend vom Roman und seinen Figuren sprechen wir in Lesung & Gespräch gemeinsam mit der Autorin und Martina Raab – Heck von der Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt (FRIG) über die Entstehung von häuslicher Gewalt und ihre Folgen für betroffene Personen. Dabei werfen wir auch einen Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema und fragen, wie eine andere Auseinandersetzung – weg von irreführenden Schuldfragen – möglich ist.

Claudia Schumacher, geboren 1986 in Tübingen, studierte in Berlin und arbeitete als Journalistin, Kolumnistin und Redakteurin in Zürich. Heute lebt sie in Hamburg und schreibt unter anderem für ›DIE ZEIT‹. 2022 war sie Literaturstipendiatin der Kunststiftung Baden – Württemberg. Ihr Debütroman »Liebe ist gewalti g«, der für den Aspekte – Preis sowie den Newcomer – Preis des Harbour Front Literaturfestivals nominiert war, wurde im Rahmen der Hamburger Literaturpreise als »Buch des Jahres« ausgezeichnet.

Martina Raab-Heck ist Diplom-Psychologin, seit knapp 15 Jahren als Koordinatorin bei der Freiburger Fachstelle Intervention gegen Häusliche Gewalt tätig. Sie ist zuständig für die Koordinierung aller im Netzwerk mitarbeitenden Fachpersonen aus Polizei, Jugendamt, Frauen- und Kinderschutzhaus mit Beratungsstelle, Justiz, sonstige Ämter der Stadt Freiburg und Fachberatungsstellen, die das Thema Häusliche Gewalt als Querschnittsthema bearbeiten. Ferner zählen die Beratung des sozialen Umfelds und von Fachkräften, Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung zum Thema Häusliche Gewalt zu ihrem Aufgabengebiet.  

Die Veranstaltungsreihe wird ermöglicht durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“,  durch die Stadt Freiburg sowie die Sparkasse Freiburg.

Kooperationspartner:
Studierendenwerk Freiburg, Buchhandlung jos fritz, Unabhängige Lesereihen e.V.

# 14: Lesung und Gespräch zu feministischer Geschichtsschreibung und staatlicher Herrschaft

Zu Gast: Die Autorin Bettina Wilpert mit ihrem Roman “Herumtreiberinnen” (Verbrecher Verlag 2022) und Birgit Heidtke von der Feministischen Geschichtswerkstatt e.V.

27. September | 19:30 Uhr | Literaturhaus Freiburg, Bertoldstraße 17 und per Livestream| Eintritt: 5 €

(c) Nane Diehl

Drei junge Frauen, drei unterschiedliche Zeitpunkte, 1940, 1980, 2010, drei Geschichten, die erzählen, welchen Einfluss der Staat und die herrschenden Vorstellungen auf ihr Leben hatten, alles am gleichen Ort, ein Haus in der Lerchenstraße in Leipzig.
Lilo wird hier 1940 festgehalten, weil sie im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, Manja kommt dort 40 Jahre später auf eine Venerologische Station für Frauen mit Geschlechtskrankheiten, nachdem sie von der Volkspolizei mit einem Vertragsarbeiter erwischt wurde und Robin arbeitet dort als Sozialarbeiterin 2010 in einer Unterkunft für Geflüchtete.

Bettina Wilperts Roman “Herumtreiberinnen” (Verbrecher Verlag 2022) blickt auf drei unterschiedliche Epochen und politische Systeme in Deutschland und zeigt, wie dort staatliche Herrschaftsstrukturen die Freiheit und Biographien einzelner Personen einschränken: Wer verfügt über wen und mit welchem Recht?

Ausgehend vom Roman und seinen Figuren sprechen wir in Lesung & Gespräch gemeinsam mit der Autorin und Birgit Heidtke von der Feministischen Geschichtswerkstatt über die dahinterliegenden Mechanismen. Dabei widmen wir uns auch der Frage, wie eine Geschichtsschreibung, die nicht nur den weißen Mann ins Zentrum stellt, einen anderen Blick auf Geschichte(n) eröffnen kann. 

Die Veranstaltung ist Teil der internationalen Aktionswoche vom 25.09. – 03.10. “Reihenweise – Veranstalten in der Freien Literaturszene” des Vereins Unabhängige Lesereihen, wird live gestreamt und in Kooperation mit dem Literaturhaus Freiburg umgesetzt.
Link zum Stream.

Bettina Wilpert, geboren 1989, lebt als freie Schriftstellerin und Mutter in Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und Leipzig. 2018 erschien ihr vielbeachteter Debütroman »nichts, was uns passiert« im Verbrecher Verlag, für den sie u. a. mit dem ZDF-»aspekte«-Literaturpreis für das beste literarische Debüt des Jahres ausgezeichnet wurde. „Herumtreiberinnen“ ist ihr zweiter Roman und erschien im Februar 2022 beim Verbrecher Verlag.

Birgit Heidtke, geboren 1959, lebt in Freiburg. Sie arbeitet als Historikerin, frei und in Projekten meistens feministisch, in sehr unterschiedlichen Formaten (u.a. Texte, Ausstellungen, Archive, Open Air). Sie war unter anderem maßgeblich an der Gründung des Rasthauses Freiburg beteiligt und ist Mitbegründerin der Feministischen Geschichtswerkstatt Freiburg e.V. 

Die Veranstaltung wird gefördert durch „Neustart Literatur“, ein Programm des Deutschen Literaturfonds im Rahmen von „Neustart Kultur“. Die Veranstaltungsreihe wird ermöglicht durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“,  durch die Stadt Freiburg sowie die Sparkasse Freiburg.

Kooperationspartner:
Literaturhaus Freiburg, Studierendenwerk Freiburg, Buchhandlung jos fritz, Unabhängige Lesereihen e.V.

#13: Lesung und Gespräch zu LUST und SCHAM mit Lea Schneider & Odile Kennel

Freitag, 24. Juni | 19:30 Uhr | Freizeichen, Haslacher Str. 43 Freiburg

Zu Gast: Die Autorinnen Odile Kennel und Lea Schneider mit ihren Essays LUST und SCHAM (Verlagshaus Berlin 2021)

“Lust auf die Wörter, Begehren nach dem Unbekannten, gespanntes Bangen, haben die Wörter auch Lust auf mich? […] das Gedicht ist wie geschaffen für die Dekonstruktion der Norm” 

(Odile Kennel: LUST)

“Scham ist der große Stillmacher […] Scham ist ansteckend. Scham klebt an Dingen und Menschen. Scham läuft über: über den Rand des Körpers, der Sätze. Scham trieft in andere Sätze, in andere Bereiche hinein.”

(Lea Schneider: SCHAM)

In ihren Essays LUST und SCHAM erkunden Odile Kennel und Lea Schneider ihre eigenen Gefühle und wie diese mit gesellschaftlichen Normen zusammenhängen. Sie stellen Verbindungen her zwischen Körper und Text, zwischen Lust und Scham, zwischen Sex und Schreiben und reflektieren damit auch ihre eigene poetische Arbeit. Dadurch sind sie nicht nur als Autor*innen zu Gast, sondern werden – in Lea Schneiders Worten – auch zu “Expert*innen für Scham, Expert*innen für die lähmende Angst davor, verletzbar zu werden”. 

In dieser Ausgabe von bauschen&biegen ist deshalb kein*e weitere*r Expert*in zu Gast, sondern die beiden Autorinnen lesen und sprechen miteinander aus und über ihre essayistischen und lyrischen Texte. Gemeinsam mit uns kommen sie ins Gespräch über (weibliche und queere) Lust und Scham, über verschiedene (Körper-) Sprachen und über radikale Verletzbarkeit als poetischen und gesellschaftlichen Gegenentwurf.

Odile Kennel lebt als Lyrikerin, Romanautorin und Übersetzerin in Berlin. Sie schreibt auf Deutsch und auf Französisch und lädt gerne weitere Sprachen in ihre Texte ein. Im Gedichtband „Hors Texte“ (Verlagshaus Berlin 2019) lotet sie den Raum zwischen Text und Sex aus, der sich Begehren nennt. Mit dem Roman „Mit Blick auf See“ (dtv 2017) war sie für den Alfred-Döblin-Preis nominiert, 2021 war sie Finalistin beim Lyrikpreis Meran.

Lea Schneider lebt nach längeren Aufenthalten in China und Taiwan als freie Autorin, Übersetzerin und Kritikerin in Berlin. Ihre literarische Arbeit bewegt sich zwischen Lyrik, Essay und Übersetzung, aber am liebsten vermischt sie alle drei Formen zu etwas Neuem. An der FU Berlin forscht sie zu Radikaler Verletzbarkeit als Schreibstrategie in der Gegenwartsliteratur. Für ihre Werke erhielt sie u.a. den Dresdner Lyrikpreis und den Kunstpreis Berlin.

#12: Lesung & Gespräch mit Daniel Schulz

Samstag, 12. März 19:30 Uhr | DELPHI_space gvbk, Bismarckallee 18-20 und per Livestream auf www.infreiburgzuhause.de
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

© Paula Winkler

Er ist zehn, als in der DDR die Revolution ausbricht. Während sich viele nach Freiheit sehnen, hat er Angst: vor den Imperialisten und Faschisten, vor denen seine Lehrerinnen ihn gewarnt haben. Vor dem, was kommt und was er nicht kennt. Wenige Jahre später wird er wegen seiner langen Haare von Neonazis verfolgt. Gleichzeitig trifft er sich mit Rechten, weil er sich bei ihnen sicher fühlt. So sicher wie bei Mariam, deren Familie aus Georgien kommt und die vor gar nichts Angst hat. Doch er muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht.

Daniel Schulz‘ Roman „Wir waren wie Brüder“ (Hanser Berlin 2022) erzählt sensibel, humorvoll und zugleich drastisch vom Aufwachsen im Ostdeutschland der 1990er.

Gemeinsam mit dem Autor und Sozialpädagoge Patrick Differt diskutieren wir in Lesung & Gespräch über die persönliche Tragweite ideologischer Umbrüche und werfen einen Blick auf individuellen sowie strukturellen Rassismus und das Entstehen rechter Gewalt. 

Daniel Schulz, geboren 1979 in Potsdam, wuchs in einem brandenburgischen Dorf auf. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik in Leipzig. Nach ersten Stationen bei Zitty, Märkische Allgemeine und Freies Wort ging er zur taz, wo er heute das Ressort Reportage leitet. 2018 erhielt er den Reporterpreis und 2019 den Theodor-Wolff-Preis. 

Experte: Patrick Differt war 32 Jahre lang als Streetworker in Metzingen aktiv und hat dort in den 90er Jahren mit jungen rechten Skinheads gearbeitet.

Lesung #11 mit Mischa Mangel und „Ein Spalt Luft“


© Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

Lesung und Gespräch mit Mischa Mangel |
Freitag, 26. November 20:30 Uhr | The Great Räng Teng Teng | 2G+

Mischa Mangel stellt seinen Debütroman “Ein Spalt Luft” vor (Suhrkamp Verlag 2021). In Lesung und Gespräch fragen wir mit dem Autor, der Psychologin Martina Schlatterer und der Sozialarbeiterin Friedhilde Rißmann-Schleip nach Ursachen und Auswirkungen von Psychosen auf Betroffene selbst und deren Angehörige sowie auf den Umgang mit der Krankheit in psychiatrischen und sozialen Hilfssystemen.

„Es soll eine Abwesenheit gezeigt werden, hier. Genauer: Es soll die Abwesenheit einer Person gezeigt werden, hier. Genauer: Es soll die Suche nach der Abwesenheit einer Person gezeigt werden, hier. Genauer: …”
Ein junger Erwachsener wächst in seiner frühen Kindheit viele Monate abgeschnitten von der Außenwelt bei seiner an Psychosen leidenden Mutter auf. Später versucht er diesen Zeitraum zu rekonstruieren und trifft dabei auf eine Krankheit, die zwar ungefähr benannt werden kann, aber eigentlich nicht zu fassen ist. Gestalt nimmt sie an durch äußere Zuschreibungen, durch psychiatrische Gutachten oder die Aussagen Nahestehender, die  Mischa Mangel in seinem Debütroman fragmentarisch verwebt. Dabei wirft er Fragen zu einem System auf, dessen starren Kategorien die menschliche Psyche nicht zu erfassen vermögen und das es häufig nicht schafft auf die Stimmen von Betroffenen einzugehen.

Zusammen mit der Psychologin Martina Schlatterer und der Sozialarbeiterin Friedhilde Rißmann-Schleip nähern wir uns in Lesung & Gespräch dem Krankheitsbild der Psychose und ihrer Auswirkungen auf die Betroffenen selbst und deren Angehörigen. Ausgehend vom Roman und den Schilderungen der Expert*innen starten wir einen Annäherungsversuch, ein nach wie vor tabuisiertes psychisches Leiden zu begreifen und fragen nach Kritikpunkten am bestehenden Hilfssystem für Betroffene. 

Mischa Mangel ist 1986 geboren, lebt in Berlin und hat Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus in Hildesheim studiert, außerdem dort und in Marseille Kulturvermittlung/Médiation Culturelle de l’Art. Er war Finalist des Literaturpreises Prenzlauer Berg 2015 und ist 2021 für den Franz-Tumler-Literaturpreis nominiert. “Ein Spalt Luft” ist sein Debütroman.

Dr. phil. Martina Schlatterer ist psychologische Psychotherapeutin am Universitätsklinikum Freiburg in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf einer Station mit Schwerpunkt psychotische Erkrankungen und Autismus Spektrum Störungen.

Friedhilde Rißmann-Schleip ist 1958 geboren und Diplom-Sozialarbeiterin. Sie arbeitete von 1984-2020 im sozialpsychiatrischen Bereich und 30 Jahre in der Freiburger Hilfsgemeinschaft, eine 1970 entstandene Bürgerinitiative mit partizipativem Ansatz.

# 10: Lesung & Gespräch mit Deniz Ohde 

⏰ Freitag, 10.09. | 19:30 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr | Lokhalle Freiburg, Paul-Ehrlich-Straße 7, 79106 Freiburg ⏰

☀️  Bei gutem Wetter draußen, bei Regen, Sturm und sonstigen Unwetterlagen drinnen in der Lokhalle des Grünhof ☔️

„Und während sie die alten Wege geht, spürt sie den Sollbruchstellen in ihrem Leben nach, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit.“

Deniz Ohde erkundet in ihrem Debütroman “Streulicht” (Suhrkamp 2020) die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als migrantisches Arbeiterkind, als Mädchen und später als Frau, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

Zusammen mit Deniz Ohde, der Lehrerin Tülay Völkers sowie Hakan Çetin von der BIPoC*-Gruppe Freiburg erkunden wir in Lesung & Gespräch systematische Diskriminierungen im Bildungssystem an der Schnittstelle zwischen Rassismus, Sexismus und Klassismus. Ausgehend vom Roman fragen wir nach (Un)möglichkeiten der Emanzipation und Solidarität innerhalb eines solchen Systems.

Deniz Ohde studierte Germanistik und lebt in Leipzig. Seit 2016 veröffentlicht sie diverse Erzählungen, u.a. im Sammelband Flexen. Flâneusen* schreiben Städte. 2020 erschien ihr Debütroman Streulicht, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis stand sowie u.a. mit dem aspekte-Literaturpreis 2020 ausgezeichnet wurde.

Tülay Völkers ist auf Schalke geboren und lebt heute in Freiburg. Als Lehrerin am Wentzinger-Gymnasium in Freiburg-Mooswald unterrichtet sie die Fächer Deutsch und Politik.

Hakan Çetin ist 1993 geboren, machte sein Abitur in Süddeutschland, studierte gymnasiales Lehramt in Freiburg und legte sein anschließendes Referendariat vorerst auf Eis. Er ist seit ihrer Gründung 2018 in der BIPoC*-(Hochschul-)Gruppe Freiburg aktiv.

Die Lesung findet unter Berücksichtigung der aktuellen Hygienemaßnahmen statt.

Gefördert von:


Gefördert von der Crespo Foundation im Rahmen der Kampagne #zweiterfruehling des Netzwerks der Literaturhäuser.

Ausgabe #9

Lesung und Gespräch mit Doris Anselm „Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie“ (Luchterhand Verlag)

Freitag, 16. Juli 19:30 Uhr im Slow Club

© Heike Bogenberger

Doris Anselm stellt ihren Roman “Hautfreundin. Eine sexuelle Biographie” vor (Luchterhand Verlag 2019). In Lesung und Gespräch schärfen wir mit der Autorin und Hannah Hahn, einer Expertin für Sexualität(en), Sexuelle Bildung, Feminismus und Mädchen*Arbeit, den Blick auf Sex, weibliche Lust, Rollenbilder, Ungesagtes und Zu-Oft-Gesagtes.

“Gibt es noch schmutzige Worte? Hilft fesseln gegen Traurigkeit? Besitzt ein Mann mit einer schönen Stimme auch eine schöne Zungenspitze? Kann man zu zärtlich sein, wenn man bloß eine Affäre hat? Und gedeiht im Unanständigen vielleicht ein besonderer Anstand?”

Diese und andere Fragen stellt sich die Protagonistin aus Doris Anselms Roman “Hautfreundin. Eine sexuelle Biographie”. Ob in der Hotline einer Kühlschrankfirma, früh am Morgen in der S-Bahn oder vor dem gemeinsamen Kistenschleppen für einen Umzug:
Die Protagonistin erzählt an ihre Biographie geknüpft von sexuellen Begegnungen, und das in einer poetischen und unverbrauchten Sprache, die eine plastische Intimität entstehen lässt. Zugleich behält sie kritisch die dahinterliegenden gesellschaftlichen Strukturen im Blick.

Mit der Hauptfigur des Romans, ihrer Schöpferin Doris Anselm und Hannah Hahn machen wir uns auf die Suche nach der weiblichen Lust und Gegennarrativen zu ihrer herkömmlichen Darstellung. Wir sprechen über die künstlerische Auseinandersetzung mit Sex und wollen gesellschaftliche Normen und Vorstellungen von Sexualität, erotischen Erzählungen und ihren weiblichen Figuren in Frage stellen.

Doris Anselm wurde 1981 in Buxtehude /Niedersachsen geboren, hat Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim studiert und lebt in Berlin. 2014 gewann sie den Literaturpreis “Dichtungsring” und den Nachwuchswettbewerb “Open Mike”.
2017 erschien im Luchterhand Literaturverlag ihr Erzählband “und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus”, 2019 veröffentlichte sie dort ihren Debütroman “Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie”.
Foto von Doris Anselm: © Heike Bogenberger autorenfotos.com

Hannah Hahn wurde 1989 geboren, ist Kulturpädagogin und Kulturwissenschaftlerin und lebt in Freiburg. Vor vier Jahren hatte sie ihren „Klit-Awakening-Moment“ als sie erfuhr, wie die Klitoris wirklich aussieht: In einer Mischung aus Faszination, Fassungslosigkeit und Wut setzt sie sich seitdem mit Sexualität(en), Sexueller Bildung, Feminismus und Mädchen*Arbeit auseinander. Mit dem Wunsch einer Sichtbarmachung der kritischen, feministischen und sexpositiven Sexuellen Bildung hat sie die Initiative „Aufgeklärt?!“ mitgegründet.

Eine Kooperation mit dem Slow Club Freiburg und Salon Riot.

Im Slow Club findet begleitend zur Lesung eine Ausstellung mit Verena Balschus aka Veba Art, FETTE FARBSCHICHT – feministisches colorier kollektiv und dem Feministischen Sexshop-Kollektiv Freiburg statt.

Ausgabe #8

Lesung und Gespräch mit Benjamin Quaderer „Für immer die Alpen“ (Luchterhand Verlag)

27. März 2021 | 19:30 Uhr | im Livestream auf youtube

Autor Benjamin Quaderer. 30.08.19 © Jens Oellermann / Luchterhandverlag

Staatsfeind Nummer 1 zu sein ist nicht leicht. Johann Kaiser, Sohn eines Fotografen, Weltenbummler, Meister der Manipulation, lebt unter falschem Namen an einem unbekannten Ort. Mit dem Verkauf gestohlener Kundendaten einer großen Bank hat er so gut verdient, dass es sich unbesorgt leben ließe – wären da nicht die Verleumdungen, die aus ihm einen Verräter machen wollen.

Benjamin Quaderers Roman bewegt sich zwischen Schelmenroman und Gesellschaftskritik. Der Erzähler streift auf seiner (Anti-)Heldenreise Fragen, die gerade in einer fragil gewordenen Gegenwart wichtig sind: Welche Maßstäbe legen wir für ein gutes Leben an? Wonach sollen wir fragen, wenn nicht nach Richtig und Falsch ? Und welche hintergründigen finanziellen Mechanismen bestimmen eigentlich unsere Biographien?

Zusammen mit dem Autoren Benjamin Quaderer und dem Experten Lukas Heinkel filmen wir unser ganz eigenes Whistleblower-Video und weil uns anonym-diskrete Festplatten nicht ausreichen, streamen wir die brisanten Inhalte direkt live und setzen sie so unwiderruflich in die Welt!

Gefördert von der Crespo Foundation im Rahmen der Kampagne #zweiterfruehling des Netzwerks der Literaturhäuser.

Ausgabe #7

Lesung und Gespräch mit Verena Güntner „Power“ (DuMont Verlag)

08. Oktober 2020 | 19:30 Uhr

Abenteuerspielplatz Freiburg, Bugginger Str. 81B
Einlass ab 19:00 Uhr

© Stefan Klüter


„Sie kommen meist am Abend. Sie kommen allein oder in Gruppen. Sie stehen am Rand des Waldes und rufen die Namen ihrer Kinder hinein. Manche lauter, andere leiser. Nie setzt einer auch nur einen Fuß in den Wald.“

Kerze und die anderen Kinder des Dorfes haben nur ein Ziel: Power, den weggelaufenen Hund der Nachbarin, wiederfinden. Ihre Maßnahmen sind radikal: Sie isolieren sich vom Dorf und ziehen in den Wald, wo sie sich immer mehr selbst in ein bellendes, beißendes Hunderudel verwandeln. Kerze, die zum Keingott betet und von Geistern heimgesucht wird, wird zur erbarmungslosen Anführerin des Rudels und der Suche nach Power, während im Dorf eine Hetzjagd auf die am Verschwinden der Kinder vermeintlich schuldige Nachbarin beginnt. 

Verena Güntners Roman bewegt sich zwischen Schauermärchen und Gesellschaftskritik und verhandelt Themen, die gerade in der pandemischen Gegenwart immer mehr an Bedeutung gewinnen: Wie fragil ist unsere Normalität? Was braucht es, um sie ins Wanken zu bringen? Was macht das Wegbrechen von gesellschaftlicher Normalität und diffuse Ängste mit Menschen? Und letztlich: Wie entsteht Ideologie?

Zusammen mit der Autorin Verena Güntner und der Expertin Nicole Bauer, Religionssoziologin und Mitarbeiterin der parapsychologischen Beratungsstelle Freiburg, ziehen auch wir uns in den Wald zurück und versuchen in Lesung und Gespräch Antworten auf diese Fragen zu finden.

Kommt mit: rein in die Outdoorjacken und raus in die Natur zu bauschen & biegen #7!


#Ausgabe 6: 1000 Serpentinen Angst

Lesung und Gespräch mit Olivia Wenzel, Stephanie Cuff-Schöttle und Karin Joggerst

6. Mai 2020 – 19:00 Uhr live auf Facebook und youtube 

bauschen&biegen zieht vorerst um: von Kneipen und Wohnzimmern in den virtuellen Raum. Die Lesereihe macht den Auftakt der neuen Reihe „Unabhängige Lesereihen – Gastspiele digital“ in Kooperation mit N2025.

Zu Gast: Olivia Wenzel mit ihrem Debütroman „1000 Serpentinen Angst“; Stephanie Cuff-Schöttle, Diplom-Psychologin und Karin Joggerst, Anti-Bias-Trainerin.

Gemeinsam mit der Berliner Autorin und den zwei Expertinnen kommen wir ins Gespräch über Rassismus und Identität zwischen Gesellschaft, Familiengeschichte und dem eigenen Ich – – live, virtuell und für alle.

»Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen.«

Wer bestimmt meine Identität und die Art, wie ich die Welt sehe? Ich selbst? Oder die Blicke und Konventionen meiner Umwelt? Wie verorte ich mich in der Umgebung, in der ich aufwachse und später lebe, welche Rolle spielt dabei meine Familie und was hat die Gesellschaft damit zu tun?
Die Protagonistin in 1000 Serpentinen Angst bewegt sich zwischen diesen und anderen Fragen, sucht Antworten, verharrt, verzweifelt, formuliert ihre Wut treffend und schont dabei weder sich selbst noch die anderen. In der ersten Digital-Ausgabe von bauschen&biegen liest Olivia Wenzel Auszüge aus ihrem Roman, wir schalten zwei Expertinnen dazu: Stephanie Cuff-Schöttle, Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin sowie Karin Joggerst, systemische Beraterin und Anti-Bias-Trainerin.

#Ausgabe 5: Die Politiker

Lesung und Gespräch mit Wolfram Lotz und Monika Stein

5. Dezember / Einlass ab 19:00 Uhr – Beginn 19:30 /
Weingut Andreas Dilger, Urachstraße 3, 79102 Freiburg im Breisgau

© Carsten Tabel


»Die Politiker die Politiker die Politiker
die Politiker – 

Die Politiker die Politiker die Politiker
die Politiker die Politiker –

Die Politiker gehen die verschneiten Abhänge hinab
ich sehe sie aus der Entfernung

Was haben sie vor?«

Politik 2019 ist ein abstraktes Gefühl. Mit konkreten Auswirkungen. Ohne Handlungsspielraum. Die vielen Sachzwänge. Und Interessen.
Wer macht da noch mit? Wer ist man dann noch? Zu wem wird man gemacht?
Sagen wir es mit Facebook: Es ist kompliziert. Oder haben wir uns bereits getrennt?

Gemeinsam mit dem Dramatiker Wolfram Lotz und der Politikerin Monika Stein sprechen wir über Politisches und Privates, über die Rolle des Politikers und über die Inszenierung von Politik – wir schauen hinter die Kulissen und fragen, was geht eigentlich?

Wolfram Lotz, geboren 1981, studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft und Literarisches Schreiben. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. »Die Politiker« erschien im August 2019 im Fischer Theaterverlag und bei Spector Books.

Ausgabe #4: Miami Punk

Lesung und Gespräch mit Juan S. Guse

25. Oktober | 20 Uhr | Kreativpark Lokhalle Freiburg

Vielfältig, kunstvoll, mal überfordernd, mal mit leiser Empathie beschreibt Guse die düstere und widerständige Atmosphäre einer Stadt, die durch eine passive Naturgewalt ihrer fundamentalen gesellschaftlichen Bezugspunkte beraubt wurde. Eine Stadt, die gefallen ist, von einem beliebten und auf Schein getrimmten Urlaubsort hin zu einer versprengten Metropole, die nicht mehr als funktionierende Organisation, sondern als riesige Ansammlung loser Individuen erscheint.
Überall rasen rote Fahrzeuge in halsbrecherischem Tempo durch die Straßen, sie müssen punktgenau José Pepperonis Pizza ausliefern. Der Hafen führt kein Wasser mehr, die Docks entlassen ihre Mitarbeiter*innen, und die? Gehen weiter zur Arbeit, halten fest am verlorenen Alltag.

Gemeinsam mit einer Expertin für modernen Arbeitsalltag – eine Mitarbeiterin im Freiburger Jobcenter – kommen wir ins Gespräch über biographische Zwänge, neue Beschäftigungsformen und ungewisse Zukunftsaussichten.

Juan S. Guse, geboren 1989, studierte Literaturwissenschaften und Soziologie. Sein Debütroman »Lärm und Wälder« erschien 2015 bei S. Fischer ebenso wie 2019 sein zweiter Roman »Miami Punk«. Derzeit promoviert er im Bereich der Arbeits- und Organisationssoziologie.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms Demokratie leben! sowie des Kulturamts Freiburg und der Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau.
In Kooperation mit der Buchhandlung Schwarz: https://www.buchhandlung-schwarz.de
Großen Dank auch an den Grünhof, dass sie die Lesung in ihren Räumlichkeiten möglich machen!


Ausgabe #3: nichts,was uns passiert

Lesung und Gespräch mit Bettina Wilpert

18. Juli | 20 Uhr | Mensagarten Institutsviertel, Stefan-Meier Straße 28 | 79104 Freiburg

Foto: (c) linonono

Zu Gast ist Bettina Wilpert mit ihrem Debütroman nichts, was uns passiert (VerbrecherVerlag 2018). Bettina Wilperts Roman thematisiert, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht. Im Roman steht Aussage gegen Aussage: Anna sagt, sie wurde auf einer Geburtstagsfeier vergewaltigt, Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Bettina Wilpert zeichnet in ihrem Roman einen Freundeskreis zwischen Universität und linkem Zentrum, zwischen Fußball-WM und Volksküche, in dem die Glaubwürdigkeit und die Freundschaften der beiden Protagonist*innen auf dem Spiel stehen.

Gemeinsam mit der Autorin, der Rechtsanwältin Claudia Meng und Anna-Sophia Clemens vom Awareness-Team des samt & sonders e.V. nehmen wir in Gespräch und Lesung sexuelle Gewalt und Grenzüberschreitungen im Freundeskreis und in der Gesellschaft sowie den Umgang damit in Institutionen und in Alltagssituationen in den Blick.

BETTINA WILPERT, geboren 1989, studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und Leipzig. Sie war u.a. Finalistin des 23.Open Mike und Stipendiatin des 20. Klagenfurter Literaturkurses. Veröffentlichungen u. a. in Bella Triste, Metamorphosen, Outside the Box, P.S. Politisch Schreiben und testcard. Ihr Debütroman wurde u.a. mit dem Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und dem ZDF-aspekte-Literaturpreisfür das beste literarische Debüt des Jahres 2018 ausgezeichnet.

Ausgabe #2: „ich möchte lieber nicht“

Lesung und Gespräch mit Anselm Lenz

Sonderausgabe zur Aktionswoche um den 1. Mai                                                 5. Mai  | 16 Uhr | im Grün mit Kaffee und Kuchen

Eine Lesereihe ist eine Lesereihe ist bauschen & biegen ist ein Wagnis!

Im Rahmen der Aktionswoche zum Thema Arbeit fragt bauschen&biegen gemeinsam mit Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp vom Haus Bartleby nach Arbeit(sverweigerung) und kommt ins Gespräch über ihre Texte, Aktionen und ihr Leben.

Gemäß dem Leitsatz des Kollektivs „I would prefer not to“ – angelehnt an Hermann Melvilles namensgebende Erzählung „Bartleby der Schreiber“ – sprechen wir an einem Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen über Kunst und Leben des Haus Bartleby: Das in Berlin ansässige Kollektiv ist ein Zentrum für Karriereverweigerung und setzt sich mit Vorträgen, Aktionen, Performances und Publikationen gegen den Wachstums- und Karrierefetisch des neoliberalen Kapitalismus ein.

In Personalunion werden unsere Gäste als Expert*innen und Autor*innen auftreten: Indem sie eigene Texte zum Thema Arbeit vorstellen und zugleich von ihren Erfahrungen angesichts der eigenen Karriereverweigerung berichten.

Zuletzt erschienen: Sag alles ab (2015); Das Kapitalismustribunal (2016).

Ausgabe #1:
Eure Heimat ist unser Albtraum

Lesung mit Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah

15. März | 19:30 Uhr | White Rabbit

Copyright: Valerie-Siba Rousparast

Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Wie viel Vertrauen besteht nach dem NSU-Skandal noch in die Sicherheitsbehörden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf die Sexualität aus? 

Zu Gast sind Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir mit ihrer Publikation „Eure Heimat ist unser Albtraum“ (Ullstein Verlag 2019). Zum einjährigen Bestehen des sogenannten „Heimatministeriums“ sammeln die beiden Herausgeber*innen schonungslose Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als »anders« markiert, kaum schützt oder wertschätzt.

Gemeinsam mit den Autor*innen und Gerhard Tschöpe vom Netzwerk für Gleichbehandlung Freiburg nehmen wir in Lesung und Gespräch Rassismus in Deutschland und Europa, in Institutionen und im Alltag in den Blick und diskutieren den Umgang mit Diskriminierung und Rassismus.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Wochen gegen Rassismus statt in Kooperation mit dem Informationszentrums 3. Welt – Iz3W und der Buchhandlung jos fritz.

Einen Teil der Lesung könnt ihr bei Radio Dreyeckland nachhören!

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